In ganz Europa, so auch in Deutschland, nutzen junge Leute heute die Chance, flexibel in einem anderen Land zu arbeiten, eine Ausbildung zu machen und neue Kulturen kennenzulernen.
Auch wer von außerhalb Europas nach Deutschland kommt, sucht nach Perspektiven. Doch sind die Beweggründe oft von existenziellen Notlagen geprägt:
Schutz und Sicherheit: Über die Hälfte der Ankommenden flieht vor Krieg, Gewalt, Diskriminierung oder den Folgen des Klimawandels.
Wirtschaftliche Perspektive: Andere suchen eine sichere Existenz durch Arbeit und Ausbildung in einer aufnahmebereiten Gesellschaft.
Zukunftspläne: Manche planen einen zeitlich begrenzten Aufenthalt, viele verlassen ihre Heimat für immer.

Rückblick:
Zwischen 1963 und 1988 kamen tausende Jugendliche und junge Erwachsene als sogenannte „Vertragsarbeiter“ in die DDR – unter anderem aus Vietnam, Mosambik, Kuba und Algerien. Auch sie kamen aus wirtschaftlicher Not und hofften auf eine Ausbildung für ein besseres Leben nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat. Für die DDR waren sie dringend benötigte Arbeitskräfte für die heimische Wirtschaft. In Thüringen war das Automobilwerk Eisenach (AWE) ein zentraler Einsatzort. Bis 1989 produzierten dort 10.000 Werktätige den „Wartburg“ – darunter 400 bis 600 junge Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter.
Daraus ergeben sich zwei zentrale Fragen:
– War die DDR rückblickend für diese jungen Menschen das erhoffte Traumland?
– Ist es die Bundesrepublik Deutschland für junge Leute heute?
Bis zum Sommer 2027 wollen wir Antworten finden, zusammen mit rund 100 jungen Menschen, Zugereisten und Einheimischen, mit und ohne Behinderung. Du kannst dabei sein!
Egal, ob du vor dem Schulabschluss stehst, studierst, eine Ausbildung machst, arbeitest, dich im FSJ/BFD engagierst. Gemeinsam treffen wir auf ehemalige Vertragsarbeiterinnen des Automobilwerks Eisenach und deren einheimische Kolleginnen von damals.
In Workshops nach Feierabend sowie in Projekten an Schulen und Betrieben forschen und diskutieren wir gemeinsam, tauschen Träume von damals und heute aus, reden über erfüllte und geplatzte Berufswünsche, über kulturelle Integration, aber auch über Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung.
Aus deinen Ideen und Recherchen machen wir zusammen mit Medien- und Kunstprofis: mehrere Podcasts, ein Hörspiel, eine Wanderausstellung.
Die Teilnahme ist komplett kostenfrei. Du benötigst keine Vorkenntnisse. Gefragt sind Neugier auf andere Lebenswege, Interesse an journalistischer oder handwerklicher oder künstlerischer Arbeit und etwas Ausdauer. Kontakt